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Aderlass nach Hildegard von Bingen

 

Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen (akute Infektionskrankheiten, Körperschwäche, Blutarmut), gilt der Aderlass nach Hildegard in der Naturheilkunde als ein wichtiges Umstimmungsmittel zur Behandlung von chronischen Erkrankungen in Verbindung mit einer Entgiftungstherapie. Der Aderlass, wie überhaupt die Blutentziehung und das Schröpfen werden bei Hildegard als wichtige allgemeine Behandlungsmethoden angesehen, um die Selbstheilungskräfte im Menschen anzuregen, die von der „Schwarzgalle“ (krankheitsauslösende Fäulnisstoffe) im Körper blockiert werden. Erst wenn diese schädlichen, krankmachenden Säfte den Körper verlassen haben, so Hildegard, können die körpereigenen Heilstoffe freigesetzt werden.

Hildegard schreibt: „Wenn bei einem Menschen die Gefäße mit Blut überfüllt sind, müssen sie durch einen Aderlass von dem schädlichen Schleim und den durch die Verdauung gelieferten Fäulnisstoffen gereinigt werden.“ Der Aderlass soll somit helfen, den Körper und das Blut von seinen Giften, die - entsprechend diesem Denkmodell - besonders bei jahrelangen chronischen Krankheiten die Heilung blockieren, zu reinigen. Gemäß der Säftelehre des Altertums hilft der Aderlass nicht nur mit, das Blut von krankmachenden Schlacken- und Fäulnisstoffen zu reinigen, sondern auch die schlechte Mischung der Säfte, die aus Stoffwechsel- und Hormonregulationsstörungen resultiert, zu beseitigen.

Der Aderlass nach Hildegard von Bingen wird von der Schulmedizin nicht anerkannt, weil keine ausreichenden wissenschaftlichen Studien zur Wirksamkeit vorliegen. Die nachfolgende Beschreibung der Therapie ist daher ein Gedankenmodell, dem Erfahrungen von Anwendern zu Grunde liegen.

Das zugrunde liegende Denkmodell ist wie folgt: Der Aderlass-"Schock" öffnet die körpereigene (Hormon-) Apotheke: Durch den Nadelstich und den anschließenden Blutverlust wird im Organismus eine Art Krisensituation simuliert, wobei ein tiefer Reiz auf das Zwischenhirn (Hypothalamus = das übergeordnete Regelorgan für das Hormonsystem und die Immunabwehr) und auf die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse = u. a. wichtige Schalt- und Produktionsstelle des Hormonsystems) ausgeübt wird. Über die Hypophyse steuert der Organismus lebenswichtige, vegetative Funktionen wie etwa den Wärmehaushalt, die Herzfrequenz, den Wasser-, Salz- und Energiehaushalt, die Atmung und den Blutdruck.

 So empfiehlt Hildegard, den Aderlass regelmäßig als allgemeines Vorbeugungs- und Entschlackungsmittel (Häufigkeit siehe unten) anzuwenden. In der Naturheilkunde wird der Aderlass auch angewandt zur Behandlung spezieller Problemfelder, z.B.:

  • Fettstoffwechselstörungen, Blutzucker (Diabetes) und hohem Harnsäurespiegel (Gicht, Rheuma, Arthritis).
  • akuter und chronischer Entzündungen wie Rheuma, Hautentzündungen, Gallenblasen-, Nieren-, Blasen-, Eierstock-, Brust- und Uterusentzündungen.
  • Hormonregulationsstörungen bei keiner oder zu geringer Menstruation (monatliche Regelblutung der Frau), Struma (vergrößerte Schilddrüse) und Morbus Basedow, im Klimakterium oder bei Sterilität.
  • Gefäßkrämpfe (Schaufenster-Krankheit = Raucherbein), Krampfadern, Nervenkrämpfe und Asthma bronchiale.
  • Stauungszustände durch Blutfülle der Lunge, Leber, Bluthochdruck, Gefahr von Herz- oder Hirnschlag. Stauungen des Pfortaderkreislaufs bei Krampfadern und Hämorrhoiden.
  • Blutungen durch Blutüberfülle: Nieren-, Lungen-, Haut-, Nasen-, Uterus-, Magen-Darm-, Blasen-, Hämorrhoidenblutungen sowie Blutungen im Auge.
  • Nervenerkrankungen wie Neurose, Schlaganfall und seinen Vorboten (Schwindel, Kopfdruck, Ohrensausen), Kopfschmerz oder Migräne, Epilepsie, Schizophrenie, Depression, Melancholie, Angst, Unruhe und Reizbarkeit.
  • Schlaflosigkeit, Magen-Darm-Erkrankungen, Hauterkrankungen (Akne), Neurodermitis, Ekzem, Herpes, Psoriasis.
  • Ohrenkrankheiten, Meniere'schem Schwindel, Schwerhörigkeit und Entzündungen. 
  • Herzerkrankungen wie Herzinsuffizienz, zur Verminderung der Herzinfarktgefahr durch Beseitigung der Risikofaktoren (Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes).

Damit der Aderlass erfolgreich ist, sind nach Hildegard eine Reihe von Regeln zu beachten.  Die wichtigsten sind die folgenden:

  • Gegenanzeige:
    Der Aderlass sollte nicht bei starker Körperschwäche und bei zu starker Blutarmut, akuten Infektionskrankheiten und akuten Angina-Pectoris-Anfällen (= Sauerstoffmangel des Herzens mit Herzschmerzen in Ruhe und/oder Belastungen) durchgeführt werden.
  • Das Nüchternheitsgebot
    Der Aderlass soll im voll nüchternen Zustand durchgeführt werden so, wie man aus dem Bett kommt, also auch ungewaschen. Beim Essen und Trinken vermischen sich die Säfte (so die Lehre), so dass eine Trennung nicht mehr möglich ist. Daher musste schon so mancher Patient, der gut gefrühstückt hatte, vom Aderlass ausgeschlossen werden, weil es bei Hildegard heißt: „Will also ein Mensch eine Ader zur Verminderung des Blutes anschneiden, so soll er dies nüchtern tun, denn solange der Mensch nüchtern ist, sind die in ihm vorhandenen Säfte noch einigermaßen vom Blut getrennt und das Blut fließt dann im Menschen in rechter Weise und nicht zu rasch wie ein Bach, der in seinem Bette, frei von jeder Bewegung durch Wind und Wetter, richtig und ordentlich dahinfließt. Hat aber ein Mensch Speise zu sich genommen, dann beginnt das Blut in ihm etwas stärker zu strömen, die Säfte vermischen sich so sehr mit ihm und beide können dann nicht mehr leicht voneinander geschieden werden. Daher soll der Aderlass vorgenommen werden, wenn der Mensch nüchtern ist, damit die vom Blut getrennten Säfte umso leichter ausfließen können. Eine Ausnahme findet nur statt, wenn ein Mensch sehr hinfällig und schwach ist. Er kann vor dem Anschneiden der Ader etwas Nahrung zu sich nehmen, damit er nicht ohnmächtig wird“. Ausnahmen bestätigen also die Regel. Geschwächte Patienten können vor dem Aderlass etwas Dinkelkaffee oder Fencheltee mit Dinkelzwieback zu sich nehmen.
  • Aderlass beim Mann
    ab dem dreißigsten Lebensjahr mindestens ein- bis viermal im Jahr, vom fünfzigsten bis zum 80. Lebensjahr einmal im Jahr, danach nicht mehr.
  • Aderlass bei der Frau
    vom zwölften bis zum hundertsten Lebensjahr
    Ganz besonders wichtig und nützlich, so Hildegard, ist der Aderlass für die Frau, weil die Frau in ihrem Körper viel mehr schädliche Säfte und krankmachende Fäulnisstoffe besitzt als der Mann. Daher soll die Frau vom 12.Lebensjahr an nach den gleichen Regeln zur Ader lassen wie der Mann, aber bis zum 100.Lebensjahr, weil wegen der schädlichen Säfte und zersetzenden Stoffe für sie eine größere Notwendigkeit besteht als beim Mann. Würde die Frau nicht von den schädlichen Säften und verdorbenen Fäulnisstoffen gereinigt, würde sie am ganzen Körper von vielen Beschwerden geplagt werden (sinngemäß zitiert nach Hildegard von Bingen).

 

Anmerkung:
Der Aderlass nach Hildegard von Bingen soll so durchgeführt werden, dass er schonend und  kräftigend wirkt. Er darf nicht verwechselt werden mit schwächenden Aderlässen wie dem entlastenden Aderlaß bei extremem Bluthochdruck, der Blutspende oder dem über die Jahrhunderte oft missbräuchlich durchgeführtem Aderlass, der den heute schlechten Ruf des Aderlasses begründete.

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